Kategorien
Erfahrungen

mit „200/2-Technik“…

…hinaufquälen auf 4000 m

Nach wiederrum guter (Regen-)Nacht im Camp-Hauszelt, entscheide ich mich, zur Enttäuschung meiner Freunde, zum Weiterradeln am Qinghai-See entlang Richtung dem noch 1200 km enfernten Tibet – in der Hoffnung, dass der über den Bergen bedrohliche Himmel dicht hält.

Smalltalk am Straßenrand mit den zuvor überholten Radfreunden aus Taiwan, die den Qinghai-See umrunden. So Leben… möchte, würde ich gerne auf die Einladung nach Taiwan zurückkommen – oder sie besuchen mich eines Tages in Lappland 熱烈歡迎.
Die Touri-Yak-Boys scheinen begeistert vom Langnasen und seinem UFO (Unbekanntes Fahr Objekt) – wäre schön wenn ich mal in ein Yak-Zelt hineinschauen könnte.
Das Yak hat vielleicht die Schnauze voll vom Touristen-Schauspiel für den Reibach!? Würde ihm wünschen, dass es einfach (weiter) davonlaufen kann – wenn ich an ihm vorbei bin.
Auch hier die billigen, zweibeinigen Kehrmaschinen – trotz der vielen Schilder („Schütze die Umgebung Bitte keinen Abfall wegwerfen“) – schlimm genug, dass sie sogar in unseren (heiligen) Urlaubsparadiesen dringend von Nöten sind.
Bitte liebe Mama-Erde, liebes Leben, vergib uns denn wir wissen (anscheinend) nicht (mehr) was wir tun!
„Zu-fällig“ werde ich von 4 jungen Frauen in ein Yak-Zelt zu Tee, Gebäck und Schaf-Schlacht“platte“.eingeladen. Das Schafsfleisch lehne ich dankend ab (es ist das erste Mal – nicht nur auf dieser Tour) – ob es die ungeschützte und ungekühlte Bodenlage oder das Starren des Schafskopfs ist – ich kann es wirklich nicht sagen aber so kann vielleicht eine weitere (durchfallsichere) Behinderung der Tour-Fortsetzung vermieden (aufgeschoben) werden. Leider bricht beim Spiel mit dem Jungen mein Frisbee an.
Nach 100 km entlang des Südufers schwenkt die G109 vom See weg Richtung Süden und Berge – die Passverbindung zwischen den Salzseen Qinghai und Chakayan. Erschöpft mache ich Rast vor dem langen Anstieg – wessen ich mir, wie auch der dünnen Luft, noch nicht bewusst bin.
Dass ich mich bereits mit der kleinen Steigung schwer tue wundert mich – erst als ich auch einen wesentlich leichter bepackten chinesischen Rad-Tourer schieben sehe, wird mir bewusst wie dünn die Luft auf dreieinhalbtausend Meter ist.
Es werden 6 Kilometer und 500 Höhenmeter im Schiebe-Modus.
Fast eine Stunde später ist knapp die Hälfte bis zur Passhöhe erreicht (was ich da natürlich noch nicht weiß) mit meiner 200/2-Technik – 200 Meter schieben und 2 Minuten verschnaufen.
Nach knapp 2 Stunden und insgesamt 90 Tages-km bin ich oben – auf 4000 Meter Höhe – während ich verschnaufe und mir etwas über meine leichte, kurze 40-Grad-Bekleidung ziehe, werde ich von vielen braungegerbten vermummten Menschen umringt, die anscheinend hier oben in Zelten leben.
Wenn ich nicht so viel Vertrauen ins Leben hätte, wäre es sicher beängstigend mit so vielen maskierten Männern die wie wild, fast brüllend und natürlich unverständlich auf mich einreden – aber plötzlich bin ich am Billardtisch zwischen den Zelten und nachdem ich mein drittes Match sangundklanlos verloren habe, kommt eine junge Frau (anscheinend die einzig englischsprechende) und bietet mir an bei ihnen hier oben im Zelt zu übernachten – ich nehme natürlich dankend an.
Man hat mir ein Bett im Gemeinschaftszelt (mit 2 Billard-Tischen) organisiert das direkt neben dem kleinen Haus-Zelt ist wo ich während Tee und typisch Frischgebackenem erfahre, dass sie „Zang“ (in China lebende Ursprungs-Tibeter) sind die während ihre Yaks im Sommer hier oben weiden, mit ihren Pferden Reittouren für die Touristen anbieten. Meine liebe, junge Dolmetscherin geht mit mir das kurze Stück zum Gipfel hoch wo wir uns im Gras sitzend, lange sehr herzlich und auch tiefgründig unterhalten.
Als es dunkel wird nimmt sie mich mit zum Essen bei ihrer Familie – sie bietet mir an sehr früh am nächsten Morgen mit ihr und ihrer Mutter den Kuhabtrieb mit meinem Bike zu begleiten, da sie die gleiche Richtung haben.
Nachdem ich nochmals (im Stockdunkeln) beim Gipfel war um Mobilempfang für Kontakt mit Xiao zu bekommen (da ich den ganzen Tag keinen Empfang hatte), was aber leider nicht funktioniert hat, sitze ich nun bei einem Bier mit meinen herzlichen Gastgeber auf meinem Bett und schaue (wie auch mein Bike) beim Billard zu.
Danke liebes Leben… für Deine unglaubliche Führung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.