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Erfahrungen

die letzte korrupte Dummdreistigkeit…

…herrscht beim Transfer und auf dem Flughafen

An meinem Abreisetag, fragt mich Alyoush schüchtern-beschämt, ob ich ihm Geld leihen könne, da sein mühsam ersparter Heimflug verfallen ist, wegen eines „Fehlers“ der hohen, korrupten Herren der Einwanderbehörde!
Ich bitte ihn niemandem von dem Geschenk zu sagen und bekomme Erlaubnis in den Ort zu gehen um Geld abzuheben und fahre dann via TukTuk-Taxi eine Ortschaft weiter um es in Dollar umzutauschen.
Am Nachmittag zurück im Lager muss ich beginnen meine Sachen zu packen, da der Abschiebe-Fahrer mit einem Kombi wegen des sperrigen Radkartons für 21.30 Uhr bestellt ist.
Nach dem Packen und ein letztes Mal den „Genuss“ von Reis in Zeitung, gibt es noch die herzliche Verabschiedung von meinen Lagerfreunden.
Als mein Bewacher/Fahrer (der mich zur Abschiebung an den 45 km entfernten Flughafen bringen soll) mit einer halben Stunde Verspätung um 22 Uhr eintrifft, dauert es ganze 15 Minuten bis man das Vorhängeschloss des Gitters um unsere Baracke endlich aufbekommt und dann stellt sich noch heraus, dass er nicht wie abgemacht mit einem Kombi gekommen ist. Er scheint genervt und hochnäsig und hilft mir natürlich auch nicht beim Schleppen meines Gepäcks zum Pickup – aber ich bekomme wenigstens mit einiger Mühe alles verstaut. Bevor ich einsteige, fragt er mich welchen Weg er nehmen solle – Bundesstraße oder Autobahn? „Sie sind hier zuhause, Sir, nicht ich“ ist meine verwirrte Antwort – „ja, meint er, aber ohne Autobahn könnte es knapp werden – und die Autobahn kostet extra!“ Er will tatsächlich Geld von mir!?! „Erstens habe ich meine gesamten Restrupies an die Mitinsassen verteilt – und zweitens ist es nicht meine Sache rechtzeitig zu starten – ich bin schon viele Stunden startklar!“ Er nimmt die Bundesstraße und versucht mir unterwegs permanent Angst zu machen, dass am Flughafen sicher eine lange Schlange wäre und ich dann eben meinen Flug verpassen würde! Dann fragt er mich warum ich im Gefängnis gewesen wäre und ich meine es wäre zu komplex ihm dies zu erklären – er lässt nicht locker und als ich es ihm erzähle, unterbricht er mich laufend mit dem Einwand das sei doch alles total gelogen!?! „Sir, lassen sie mich doch bitte einfach in Ruhe – ich bin genug provoziert worden“ ist mein müder Kommentar. Wenn ich frech werden würde, könne er mich sofort ins Lager zurückfahren! „Sie können mir keine Angst machen – inzwischen nicht mehr Sir!“„ Als er dann nach Xiaos Alter fragt und meint ich hätte wohl überhaupt keinen Skrupel, reicht es mir. Ich verliere jeglichen Respekt vor ihm und lass ihn das jetzt auch deutlich hören. „Nur weil in ihrem Land Wahrheit und Rechte mit Füßen getreten werden und die Geldgier so groß ist, dass es zu einem Pädophilen-Paradies geworden ist, sollten sie nicht davon ausgehen, dass alle Menschen so sind!“ Jetzt habe ich meine Ruhe!

Rechtzeitig vor Mitternacht am Flughafen angekommen, geht er mit mir wie selbstverständlich an der kleinen Warteschlange vorbei direkt zum Eincheck-Schalter – so viel dazu – die vor Geldgier dummdreiste Verlogenheit hatte ich, vorher im Auto, vergessen zu erwähnen!!! Als ich mein Gepäck und das Fahrrad aufgegeben habe (bei dem mir auffällt, dass ich meinen Fahrradsessel im Camp vergessen habe – muss wohl unter ein Bett gerutscht sein), geht es mit meinem nunmehr freundlich-zuvorkommenden Begleiter zum Flughafen-Büro der Einwanderbehörde.
Als ich da so sitze und auf meinen Pass warte, ruft plötzlich ein Mann vom Flughafengang herein: „Ha! Dich kenne ich! Ich weiß wer du bist!“ – er meint mich! Schnell springe ich auf und gehe direkt auf ihn zu (er erschrickt, wollte er doch wahrscheinlich mir Angst machen!) und sage ihm frech ins Gesicht: „Wenn sie mich kennen, dann sind sie einer der korrupten Lügner da oben!“ – und als er wütend wird, füge ich schnell und laut hinzu „wenn sie ein wenig Charakter haben und nicht nur eine große Klappe, dann geben sie mir ihren Namen – meinen kennen sie ja. Ich kann alle Namen da oben für die EU, die euch gutgläubig unterstützt, gut gebrauchen!“ Außer sich vor Wut entfernt er sich sehr schnellen Schrittes! Im Internierungslager hatte ich erfahren (nachdem mich das Schild „EU-subventioniert“ an unserem Gebäude interessierte), dass die EU nicht nur die Gebäudesanierungen gesponsert hat, sondern die Einwanderbehörde über 20 Euro pro Tag und „Gast“ bekommt – da die tatsächlichen Kosten der beschämenden Unterbringung und Verpflegung weit darunter liegen dürften, versteht sich von selbst, dass man über großen und lange dauernden „Besuch“ überhaupt nicht abgeneigt ist!!! Ich versuche eigentlich immer alle Menschen durch Mitgefühl und Verständnis zu verstehen/lieben – aber irgendwie scheint es seit dem Kidnapp-Versuch doch ein wenig (zu) viel für mich gewesen zu sein!
Als mein Reisepass nach Mitternacht endlich fertig ist, bringt mich „mein Abschiebe-Fahrer“ Richtung Gate. Unterwegs verrät er mir, dass auch er in der Führung der Einwanderbehörde gearbeitet hätte, aber von dieser furchtbaren Lügen-Korruption dort oben regelrecht krank geworden sei und deshalb jetzt nur noch Fahrdienst mache. Das Virus scheint aber leider noch in ihm, aber hoffentlich sagt er ja diesmal die Wahrheit, wäre schön weil er jetzt sogar noch meint, dass ich in Ordnung wäre! Wir umarmen uns zum Abschied und als ich am Gate stehe gibt mir meinen Pass mit dem „REMOVED“ Stempel.
Eine Stunde später sitze ich im KLM-Flieger gen Amsterdam und irgendwie kann ich es erst richtig glauben und mich entspannen, als wir in der Luft sind – gebranntes Kind… riecht schlecht! 😉

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