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Erfahrungen

muss leider weiter…

…nur noch gut 5 Wochen Visum für die 3500 km durch China bis Nepal – davon 3000 km Hochgebirge

Nach 3 unvergesslichen Tagen auf dem Lehmhof radle ich weiter dem Gelben Fluss entlang Richtung Südwesten – und nun auch noch gegen den heißen Wind und mit Durchfall – die Kehrseite meiner (Essens-)Offenheit!

Als ich sehr früh am nächsten Morgen, nach durchfallfreier Zeltnacht, aufgepackt habe, entdecke ich den Plattfuß hinten – der Erste nach dem Tourstart mit den rissigen Mountainbikereifen vor fast 5000 km.
Beim Montieren des Hinterrades nach dem Schlauchwechsel geht der Kettenspanner kaputt und bei der zeitaufwendigen Reparatur verliere ich eine winzige Hülse im Sand – was nun? – (wie) durch ein Wunder finde ich sie nach einer Stunde wühlen – Daaanke liebes Leben… als ich endlich loskomme brennt die liebe Sonne schon wieder gnadenlos.
Wannimmer möglich hänge ich mich an langsame Fahrzeuge und mache oft Schattenrast zur Erholung und zum Wasserkauf.
Durch die 30 km lange Millionenstadt Yinchuan muss ich mir schreieend Platz verschaffen – neben der fast leeren, 4-spurigen Straße.

Gut 40 km darf ich mich an den 125-er Renner eines jungen Mannes hängen der mich dann noch zu Nachtessen in seinem Stamm-Grillrestaurant einlädt wo ich neben dem Eingang mein Zelt aufstelle und am Morgen mit Durchfall erwache.
On the (hot) road again ist einmal am Horizont die Chinesische Mauer zu erkennen.
Zu Mittag raste ich bei 2 Obstverkäuferinnen vor einem Restaurant die mir getrocknete Chinesische Datteln schenken.
2 junge Frauen bitten mich ins Restaurant wo sie mit ihre Onkel zum Essen sind. Dieser bringt mir deutsches Bier von zuhause (das ich ihm nicht wegtrinken möchte) und besteht darauf mir nach dem bezahlten Essen auch noch 300 Yuan (40 Euro) zu schenken. Vielleicht übersetzen sie ihm ja, dass ich das Geld Bedüftigen zukommen lassen werde. Vom Restaurant-Chef bekomme ich außer einer herzlichen Umarmung noch ein paar Wasserflaschen mit auf den Weg.
In der Mittagshitze wähle ich den Randstreifen des Gegenverkehrs um wenigstens immer wieder im Schatten der Büsche zu radeln – als ich allerdings den älteren Mann mit seiner enorm beladenen Handkarre aus dem Feldweg kommen sehe, schäme ich mich meines Stöhnens.
Als vor mir ein langsames altes Paar geht (er humpelnd) mit einem Stock zwischen ihren Schultern an dem 2 große Eimer prallvoll mit Äpfeln hängen, lade ich wortlos die Eimer auf meinen Rad-Sessel und gehe einen knappen Kilometer bis zu einem Lehmhof neben der alten Frau her – wo ich ihr Geld vom „Restaurant-Onkel“ zuschiebe – Leben weiß… Sie scheint fast ohnmächtig zu werden und zeigt betend zum Himmel. Als der Mann auch da ist, bittet sie mich in den Innenhof. Im Haus wäscht sie meine Kleidung, während ich ihm, in seinen Klamotten, viel Energie für seine Beinprobleme und wahrscheinlich Alzheimer sende, sitzt er apathisch auf dem typischen Ofenbett. Dann kocht sie für uns, dass ich schon mehr als satt bin kann oder will sie nicht verstehen – also esse ich den leckeren Gemüse-Eintopf eben dankbar-schwitzend – diesmal gänzlich ohne Hunger. Nach ein paar Stunden und einer herzlichen Umarmung gehts mit noch mehr getrockneten Chinesischen Datteln und Übervölle-Gefühl wieder aufs Rad und durch die in die Gluthitze.

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