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Motorradtour ums Mittelmeer

mit schmerzlichem, Thriller-würdigem Ende nach gut 5000 km

Am Ostersamstag, dem 18.4.1987 ist es endlich so weit!
Es geht mit 3 Monaten unbezahltem Urlaub los auf die lange geplante Mittelmeer-Umrundung (Österreich-Italien-Korsika-Sardinien-Sizilien-Griechenland-Türkei-Syrien-Jordanien-Ägypten-Lybien-Tunesien-Algerien-Marokko-Spanien-Portugal-Frankreich-Schweiz – mind. 20000 km).
Nachdem ich den ganzen Winter am Umbau meiner „Caribu“ und der Anfertigung des Gepäcksystems gearbeitet sowie Tank und Sitzbank auf meinen Namen eingetragen bekommen habe, sind nun auch die Motorenprobleme durch viel Willen und Einsatz in letzter Sekunde behoben.

Herzliche Verabschiedung von Mama, Freundin Christine und ihrer Freundin.

Auf der Autobahn Richtung München und dann Oster-Besuch bei meinem Freund Franz in Schongau .
„Motorrad sehr schwer, ab 120 km/h nicht mehr zu fahren“ ist mein erster Tagebuch-Eintrag!

20.4.1987
Bei Regenwetter geht es am Ostermontag weiter.
Zuerst über den Brenner und dann über kleinere manchmal noch weiße, norditalienische Pässe bei denen ich mir wie falsch unterwegs vorkomme


Nach 600 Tages-km finde ich in diesem Heuschober auf 800 Meter Höhe trockenen und weichen Unterschlupf

21.4.1987
„Auf den Etagen überhaupt kein Geländer!!!“ schreibe ich nach meiner Ersteigung des schiefen Turmes erstaunt auf Postkarten und ins Tagebuch

Am Mittelmeer endlich das natürlich warme Wetter

22.4.1987
Da die Korsika-Fähre in Piombino erst ab Juli geht, musste ich wieder 80 km zurück nach Livorno wo ich an der Hafen-Wechselstube mein Nachtlager errichten darf – unter Hafen-Bewachung! Der GoreTex-Schlafsack hat sich in der feuchtkalten Gewitter-Regen Nacht bewährt und beim Frühstück kommt mein Topcase-Deckel-Tisch zum ersten Einsatz. 

Jetzt warte ich bei strahlendem Sonnenschein auf die 9-Uhr-Fähre nach Bastia (Korsika) 

Ich habe mich für die Westküste durch Korsika entschieden und lasse so bei der Passüberquerung die Ostküste und Bastia mit seiner qualmend-stinkenden Müllkippe hinter mir. 

Grandioser Blick über die vor mir liegende Westküste Korsikas 

Im Straßencafe von St. Florent fällt mir ein Biker-Paar mit ihrer vollbepackten 200-er Vespa auf, zu dem ich mich geselle.
Es sind Meike und Manfred aus Kiel (wo ich meine Marine-Zeit verbrachte) die genau die gleiche Tour geplant haben!
Plötzlich bekomme ich nach einem Bienenstich extreme Kreislaufprobleme – von meiner Bienengift-Allergie sollte ich erst ein Jahr später auf meiner Motorradtour zum Nordkap (unverständlich) hören und erst danach eine Wundernvolle todnahe Erfahrung machen  

Nach viel Cola und längerer Schattenpause fahren wir gemeinsam weiter gen Süden – in nun sehr moderatem Tempo 

Biker- und Naturfreund-Herz was willst Du mehr als diese Insel im Meer!

Das liebe Paar auf ihrem Motorroller scheint unendlich viel Zeit zu haben, denn sie kommen an keinem Cafe ohne Rast vorbei

Wir halten Ausschau nach einem idyllischen Nachtlager. 

3 km vor L`lle Rousse finden wir diesen wunderschönen Platz zum wild campen – und meinem ersten (frischen) Mittelmeer-Bad. 

23.4.1987
Da mir die Nacht-Feuchte im Goretex-Schlafsack nichts ausmacht habe ich unter freiem Sternenhimmel geschlafen und werde deshalb von den ersten Sonnenstrahlen geweckt.

Die Zwei sind begeistert von meinem Topcase-Deckel-Tisch den sie natürlich anwenden dürfen nachdem sie endlich aus ihrem Mini-Zelt gekrochen sind 

Da die 2 Lieben(den) nach nur kurzer Fahrzeit und langem Straßencafe Aufenthalt schon am frühen Nachmittag wieder nach einem Nachtlager suchen, trennen wir uns herzlich – sie müssen bei ihrer Tages-km-Leistung wirklich unendlich viel Zeit für diese Tour haben! 

Wieder alleine geht’s weiter der idyllisch-kurvigen Westküste entlang Richtung Süden 

Wie verrückt/unvernünftig muss man sein, mit diesem Reise-Dampfer auf diesem kleinen, kurvigen Küstensträßchen ein Wettrennen mit einem leichten Enduristen zu veranstalten – er ist zwar außerordentlich erstaunt, dass ich damit so schnell fahren kann aber… 
…schon ein paar Kurven später wird mir klar, was für Schwein ich hatte nicht ein wenig früher diese wilden Schweine gehabt zu haben – irgendwie ist der Moto-Crosser mit mir durchgegangen – das erste und letzte Mal auf dieser Tour, verspreche ich mir! 
Ein Natur-Traum aus hohen Bergen und viel Me(e/h)r … 
… viel zu schön um einfach durchzupreschen! 
die Bizarre Felsenlandschaft „Calanche“ – südwestlich von Porto … 
…da ist sogar mein kleiner Fotoapparat aufgeflippt (als er mir auf die Straße fiel) … 
… und umrahmt die tolle Landschaft gebührend! 
südlich von Ajaccio (41°48’31.8″N 8°45’26.7″E) finde ich in einer kleinen Bucht mein Nacht-Lager – direkt am großen, noch frischen, Natur-Pool 
wunderbarer Nachteinbruch – direkt vom Schlafsack aus 
24.4.1987
Mund-Dusche nach erfrischendem Morgen-Bad 
bin sicher nicht das letzte Mal da, auf Korsika 
Bonifacio – an der Südspitze Korsikas angekommen – warten auf die kurze Fähre nach Sardinien 
Au revoir Corse 
Auf der 50-minütigen Fähre werden die Kreidefelsen von Bonifacio langsam aber sicher kleiner – Sardinien wartet 
In Sardinien angekommen gilt es eine schöne Route nach Villaputzu an der südlichen Ostküste Sardiniens zu finden – dem Wohnort von Antonio der nach vielen Jahren in meiner Heimatgemeinde Aidlingen mit seiner Frau (der Aidlingerin Barbara) zu seinem Geburtsort 60 km nördlich von Gagliari zurückgekehrt ist. 
Sardinischer Nationalstolz und die Sardinien-Rallye lassen grüßen und stoppen. 
In Olbia treffe ich zufällig 2 Stuttgarter Motorradler und wir suchen gemeinsam außerhalb vergeblich nach einer Übernachtungsmöglichkeit.
In Loiri frage ich 3 Jugendliche nach Wasser. Sie bieten uns auch noch einen Schlafplatz in diesem Rohbau und bringen Bier und Wein, die sie bei einem langen fröhlichen „Abend“ mit uns teilen.
Nach einer ruhigen Nacht kommen sie sogar noch einmal zur Verabschiedung bevor ich mich alleine weiter zur Ostküste aufmache. 
25.4.1987
Im Gegensatz zum lieblichen Korsika wirkt Sardinien eher wildromantisch auf mich. Immer wieder zieht es zu und in den Bergen hat es oft null Sicht – aber irgendwie entkomme ich immer gerade noch dem Regen 
Hab hier nur einen Salat gegessen und ein paar Postkarten geschrieben (von Internet sollte man noch einige Jahre nichts wissen) – und schwups, schon steht die halbe Stadtjugend da. 
In Villaputzu kommt mir der orange BMW 2002 entgegen, den ich noch aus Aidlingen kenne – Antonio!!!
Er, seine Frau Bärbel und die Tochter empfangen mich sehr herzlich vor ihrem Haus. 
26.4.1987
Nach einem langen gemütlichen Abend in der Bar und mit der ganzen Verwandtschaft in der Pizzeria und vor allem nach dem Genuss vieler eigener Orangen, geht es heute zum Orangen-Straßenfest nach Muravera für das Antonio und Barbara den Firmenwagen geschmückt haben. 
26.4.1987
Kultur pur! Danach geht es noch zum Lokal-Fußballderby-Spitzenspiel das Villaputzu zu unserer großen Freude gewinnt.
Später helfe ich noch beim Orangenpflücken – die guten ins Kröpfchen… oder so 
28.4.1987
Nachdem ich noch einen Tag mit Trucker-Antonio (hat in Aidlingen den Milch-Laster gefahren) in seinem 420-PS! Iveco-TurboStar unterwegs war (2 x Betonplatten von Cagliari zum Militärstützpunkt in Capo Frasca an der Westküste) geht es heute nach herzlicher Verabschiedung (mit sehr vielen Grüßen für fast ganz Aidlingen) auf 2 Rädern weiter zur Fähre in Cagliari. 
„Weiter immer weiter geht mein Weg, die Zeit ist fast zu knapp für einen Blick zurück“ – steht im Tagebuch. 
Bis der Fährhafen in Cagliari öffnet, schreibe ich im Straßencafe Postkarten 
Um 18.15 Uhr soll es losgehen – 15,5 Std zurück zum italienischen Stiefel nach Civitavecchia (Hafen 80 km vor Rom) 
Beruhigt schaue ich von Bord über Cagliari – wollte man(n) doch glatt meinen schweren Lastenesel über meine Einzelanfertigung-Sitzbank seefest machen – ich gab nicht nach (schließlich muss ich noch viele Stunden darauf aushalten/sitzen) und durfte zum Schluss selbst verzurren.
Und jetzt fragt mich auch noch ein gutgekleideter Herr mit „I like boys“ ob ich mit in seine Kabine komme – was ich freundlich aber unmissverständlich ablehne. 
Nachdem ich schon Barbaras Spaghetti und Orangen gegessen und mit meinem Kabinenkollegen (wir sind zu dritt in der 4-er Kabine) ein Bier genossen habe, laden mich diese 2 noch zu Oliven mit Wein an Deck ein. 
Bis 23 Uhr genießen wir noch die wohltuende kühle Seeluft während Sardinien allmählich in der Ferne und Dunkelheit verschwindet. 
29.4.1987
Nach 80 km durch das Verkehrschaos (bei dem ich nach MotoCross-Manier aktiv mitdrängle) bin ich am Pedersdom – wo ich wie versprochen die gesponserte Bauernwurst von der Aidlingen2 Metzgerei Hartmut Stürner genieße. 
Hier in der Hauptstadt lasse ich das Motorrad nicht unbeaufsichtigt – mein totales Vertrauen ins „Leben…“ (annehmen was kommt und loslassen was geht) werde ich erst gut 20 Jahre später bewusst leben können. 
Gestikulierend mache ich dem Polizisten klar, er möge doch ein Auge auf meinen Lastenesel werfen – und so kann ich beruhigt ein paar der vielen Ruinen des alten Roms bewundern. 
Als ich hier versuche aus meiner Straßenkarte den richtigen (R)Ausweg aus der Hauptstadt zu finden, hält ein Polizeiauto und nachdem sie mein „Sicilia“ begreifen zu scheinen, deuten sie mir ihnen dicht zu folgen… 
Nach zweimaligem warten an Ampeln werden plötzlich Sirene und Blaulicht eingeschalten und in Windeseile (viel viel schneller als es die Polizei erlaubt) bin ich am südlichen Ende der Stadt. Mille gracie! 
Und so geht es jetzt Italiens Westküste entlang Richtung Neapel 
Hier weiß ich zum Glück noch nicht, was für ein Verkehrs-Wahnsinn mich dort unten in Neapel erwartet.
Erst als ich mich dem Verkehr anpasse und auch bei jeglicher Ampelfarbe und kreuzundquerzickzack fahre glaube ich dieses Nervenspiel zu überstehen.
Das Bildermachen habe ich natürlich dabei vergessen – oder einfach keine Nerven (mehr) dafür gehabt! 
20 km hinter Salerno handle ich auf dem Campingplatz den Preis für diese Hütte am Strand auf die Hälfte herunter … 
… und kann so noch ein (Nerven) abkühlendes Meerbad ganz für mich alleine genießen… 
… der anschließend grandiose Sonnenuntergang tut alles um den Neapel-Wahnsinn belächeln und vergessen zu lassen. 
30.4.1987
Es geht weiter der Küste entlang Richtung Stiefel-Spitze, mit kleinen Bergpässen wie hier. 
In Sapri wird das Geldwechseln zur echten Herausforderung, da der Bank-Angestellte (Papiertaglöhner wird mein späterer Seniorchef bei Metallbau Stetzler diese Sorte nennen) mir und meiner Unterschrift erst nach vielmaligen Wiederholen traut – und dann stelle ich zum Entsetzen fest, dass mein Personalausweis noch beim Campingplatzbesitzer (120 km zurück) liegt.
Hier in der Pizzeria ruft der Chef dort an und bittet meinen Ausweis doch bitte ans Zentralpostamt in Brindisi zu senden, von wo ich (nach der Sizilien-Umrundung) nächste Woche irgendwann die Fähre nach Igoumenitsa (Griechenland) nehmen möchte. 
Vitaminreiche-Rast 
Am Ortsausgang von Palmi – 40 km bis zur Fähre nach Mesina (Sizilien) – finde ich diesen Rohbau in dem ich mich nach längerem Abchecken für die Nachtruhe einrichte.
Als ich mich bei Einbruch der Dunkelheit in meinem „Zimmer“ zum Schlafen lege – mit Gesicht zur Wand höre ich plötzlich ganz vorsichtige Bewegungen – als wenn sich jemand fast lautlos anschleicht . Ich traue mich nicht im Schlafsack auf der lauten Liegematte zu bewegen. Mein Herz schlägt wie verrückt – und das schleichende Geräusch scheint näher zu kommen! Als ich sogar ein Atmen vernehme drehe ich mich, dem Herzstillstand nahe, langsam um – und schaue in 2 leuchtend gelbliche Augen fast auf meiner Höhe!
Ein wilder Hund der mich eine ganze Weile anstarrt! „Wir sind beide Streuner die vorsichtig sein müssen und es ist genügend Platz für uns beide da“ – spreche ich ganz leise und ruhig zu ihm mein Herz immer noch in meinen Ohren spürend.
So vorsichtig wie er gekommen war zieht er weiter.
Nach einer (restlich) guten und ruhigen (Walpurgis)Nacht kommt am Morgen der Besitzer und checkt den Rohbau bevor er mir sogar beim ausrangieren hilft. 
1.5.1987
Auf der halbstündigen Fähre von Reggio di Calabria (Italiens Stiefelspitze) nach Messina (Sizilien) 
Der Vulkanberg Ätna begrüßt mich mit Rauch – der mich irgendwie magisch anzieht
Während ich den Ätna so nahe wie möglich zu umrunden versuchte fand ich einen (recht unwegsamen) Lava-Pfad über den ich mich hier hochgekämpft habe um hier oben mit Ätna-Panorama Mittagsrast machen zu können.
Wie meinem verwandten Metzger Hartmut Stürner versprochen, fotografiere und genieße ich am Ätna seinen wunderbaren Räucher-Schinken 
Bei der abenteuerlich steilen Abfahrt treffe ich diese erstaunte Gruppe junger Menschen die hier den 1. Mai-Feiertag mit Hähnchensalat und eigenem Wein geniest und mich wild gestikulierend einlädt und wir anschließend zusammen noch viel Freude beim Ballspiel haben. 
viel (Lava)Steine gab`s… – bei der weiteren Umrundung des Vulkans – mit übervollem Magen. 
In Rosolini frage ich an einer Tankstelle nach Wasser und bekomme von einem alten Mann sein Landhaus zur Übernachtung.
Wenn ich von diesem Bett keine Läuse mitnehme bin ich auf ewig davor sicher – aber ein Dach über einer weichen Matratze und bei Kerzenlicht und Bier noch Tagebuch schreiben – und dann mit eigenem Schlüssel abschließen und ohne Angstgefühle einschlafen können nachdem sein Sohn mit Frau und 2 Töchtern noch Kaffee und Eier gebracht haben – Frange was willst du mehr um sehr dankbar sein zu dürfen?! 
2.5.1987
Da der ältere Mann bereits um 6.30 (vor er zur Arbeit musste) zum Verabschieden kam, bin ich kurz nach 8 schon startklar zur Weiterfahrt. 
Es geht der Südwestküste Siziliens entlang 
Die wegen der Athen-ähnlichen Überreste total überlaufene Touristen-Stadt Agrigent hält mich nicht lange 
der bergige Nordwesten Siziliens – bei Trapani 
Blick über Castellammare del Golfo – an der Nordküste 
gut 40 km vor Palermo sehe ich an diesem Straßencafe eine alte Honda (CB 400 Twin) mit niederösterreichischem Kennzeichen – sie gehört dem urigen Erik, freischaffender Grafiker/Karikaturist für Wirtschaftsmagazine, der Frau und 2 Kinder zuhause gelassen hat um auf ganz einfache Art auszuspannen. 
Nach ein paar Bierchen, fester Nahrung und viel Spaß miteinander und am regen Treiben auf der Hauptstraße verlassen wir gemeinsam das Cafe um an den Strand zu fahren, wo Erik schon letzte Nacht verbracht hat. 
Richtig sauber ist er nicht – der Strand, aber der Sonnenuntergang färbt alles sehr einladend ein. 
3.5.1987
Guten Morgen mein wunderbar lebensoffener (und deshalb angstloser) Freund… 
…dessen erhaltene, kindliche Lebensfreude natürlich alles ausprobieren/-leben möchte – wie Wunder-bar!
Mir wird bewusst was mir durch meinen verbissenen Drang zur Perfektion an wahrem Leben entgeht – aber so schnell werde ich mich noch nicht bewusst ändern wollen/können! 
Gemeinsam erkunden wir Palermos Altstadt – wie viel ist mir durch meinen durchgeplanten Reiseplan bisher entgangen – ja, weniger ist bestimmt mehr – auch wenn ich es mir selbst noch nicht richtig eingestehen will oder kann! 
Fischers Fri … Fiat (500) 
und wieder „Weiter immer weiter geht mein Weg (Richtung Stiefelabsatz und Griechenland), die Zeit ist fast zu knapp für einen Blick zurück“ – LEIDER!!!
Mein neuer Freund, den ich in Palermo verlassen habe, scheint mir außer den 6 Jahren viele Leben Erfahrung an sorg- und angstlos Genießen voraus zu haben.
Ich werde ihn noch öfters bei Wien besuchen:
unter anderem schon 2 Jahre später auf der Fahrt zum Seitenwagen-Motocross-Training in Ungarn, sowie 2010 nach meinem wundernvollen Motorradunfall und 2015 zu Beginn der ungeplanten, wundernvollen Tramptour nach Kurdistan
Es geht durchs Landesinnere des bergigen Nordostens… 
…wie Korsika und Sardinien wäre es auch Sizilien Wert mit mehr Zeit/Muße bereist zu werden 
4.5.1987
60 km vor Messina richte ich mir an der Nordküste mein Nachtlager in einem Rohbau einer Zitronenplantage ein. Der Besitzer hilft mir beim Ölnachfüllen – 4000 km seit dem Start vor zweieinhalb Wochen! Die Kinder schenken mir viele große Zitronen?! Erst jetzt am nächsten Morgen als mich mein kleiner Freund (Sohn des Besitzers der einfach nicht wahrhaben will, dass ich seine herzlichen, zigfach wiederholten Worte nicht verstehen kann) vor der Schule liebevoll geweckt hat, zeigt man(n) mir, wie lecker diese Zitronen sind wenn man sie mit der dicken, süßen, weißen Innenschale genießt. Jetzt bin ich sehr froh, dass es so viele sind! 
Bei der Reparatur-Rast an der E9 (der Stiefelsohle entlang Richtung Brindisi) leistet mir dieser kleine Straßen-Welpe Gesellschaft 
Auf dem Postamt in Brindisi ist mein Personalausweis leider (noch) nicht angekommen so dass ich dort meine deutsche Adresse hinterlassen habe und jetzt auf die Nacht-Fähre nach Igoumenitsa (Griechenland) warte. 
Nachdem im Hafenbüro in Brindisi meine „Caribu“ im Reisepass auf der letzten Seite eingetragen wurde kam der Stempel für mich bei betreten des Schiffes irgendwo in die Mitte, was ein paar Tage später leider (bei meiner Not-Ausreise) noch große Bedeutung haben sollte – näheres später.
Ich habe eine 2-Bett-Kabine für mich alleine und lerne 2 deutsche Motorradfahrer auf dem Weg nach Israel kennen die mich bis um 2 Uhr morgens in der Disco versuchen zu überreden einfach in Igoumenitsa nicht von Bord zu gehen und deshalb mit ihnen nach Israel zu kommen – wie viel wir getrunken hatten sieht man daran, dass mir dieser Schwachsinn überhaupt zu überlegen gab.
Und hätte mich der Stewart nicht irgendwie von meinem „Koma“ erweckt wer weiß wie und wohin es dann weitergegangen wäre. Um 9 Uhr fahre ich wie ein Zweirad-Anfänger mit meinem schweren Lastenesel in Igoumenitsa von der Fähre. Eine der vielen Bierbüchsen war wohl schlecht 😉 
5.5.1987
Nach 50 km der griechischen Westküste entlang habe ich, nachdem ich mit meinem Dampf(er) sogar in den Straßengraben abgekommen bin, eingesehen hier im Straßencafe des kleinen Fischerortes Parga unbedingt eine Ausnüchterungspause einzulegen.
Hier lerne ich auch ein Motorrad-Paar aus Würzburg kennen die schon ein paar Tage hier sind und mich zu ihrem Campingplatz mitnehmen. 
Nachdem ich auf dem Campingplatz zum ersten Mal auf der Tour mein Zelt aufgebaut habe, fahren wir zum nahegelegenen Strand wo nach ein paar Stunden schlechtes Wetter aufzieht.
Ralf, der mit Kerstin aus Wuppertal auf dem Motorrad unterwegs ist hilft mir beim Austauschen der gebrochenen Hinterrad-Speichen bevor es zu regnen anfängt.
Nach Abendessen mit beiden Paaren erleben wir eine sehr regenreiche Nacht bei der das „Würzburger“-Zelt gänzlich unter Wasser steht und auch mein Zelt nicht richtig dicht gehalten hat.
An die geplante Weiterfahrt mit Ralf und Kerstin ist am nächsten Tag nicht zu denken. 
7.5.1987
Auch wenn es weiterhin immer wieder regnet machen wir uns heute auf Richtung Patras 
Bei der Mahlzeit-Rast trocknen wir unsere total nassen, schweren Zelte 
Es geht der schönen Westküste entlang aber immer wieder kommen wir in Regenschauer 
was dann geschieht kann ich beinahe selbst nicht mehr glauben –
hier über das plötzliche (schmerzhafte, Thriller-würdige) Ende meiner lang geplanten und ersehnten Wunsch/Traum-Motorradtour
Ein paar Wochen später bringt der ADAC die Caribu nach Aidlingen
Außer des gebrochenen Gabeltauchrohrs und verbogenen Standrohrs besteht am Motorrad kein Schwund – und aus den Boxen, die ich im Unfallstress vergaß abzuschließen, ist alles noch da, außer einem Porno-Heftchen, dass ich mir in Italien gekauft hatte – war ja schließlich viel alleine!
Die Polizei, vor deren Wache die Caribu laut Ralf und Kerstin auf der Straße stand, hat also die kaputte Seitenbox durchsucht und sich wichtige Beweise gesichert 😉
Es soll ihnen gegönnt sein – immerhin haben, durch ihre Nähe, nur sie geklaut.

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