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Bitte nenne mich bei meinen wahren Namen

Da es nach nach 3 Jahren nun auch der YouTube-Zensur zum Opfer fiel…
poste ich es eben hier sowie auf Odysee

…einmal erhielten wir einen Brief, der von einem jungen Mädchen in einem kleinen Boot berichtet, das von einem Thai-Piraten vergewaltigt wurde. Es war erst zwölf Jahre alt und sprang ins Meer und ertränkte sich. Wenn du so etwas erfährst, packt dich erst einmal der Zorn über den Seeräuber. Du ergreifst selbstverständlich die Partei des Mädchens.
Wenn du genauer hinschaust, wirst du es anders sehen. Wenn du dich auf die Seite des jungen Mädchens stellst, ist es einfach.
In meiner Meditation sah ich, wäre ich im Dorf des Piraten
geboren und unter den Bedingungen dort aufgewachsen, dass ich sehr wohl auch ein Pirat hätte werden können.
Wenn du eine Waffe nimmst und den Piraten erschießt, schießt du auf uns alle, denn wir alle sind in gewissem Umfang für die Lage der Dinge verantwortlich.

Nach langer Meditation schrieb ich dieses Gedicht. In ihm gibt es drei Menschen: das zwölfjährige Mädchen, den Seeräuber und mich. Können wir uns anblicken und uns im Gegenüber erkennen? Das Gedicht heißt
»BITTE NENNE MICH BEI MEINEN WAHREN NAMEN«, weil ich so viele Namen habe. Wenn ich einen dieser Namen höre, muss ich mit »Ja« antworten.
(Thich Nhat Hanh)

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